{"id":5692,"date":"2026-07-02T12:59:42","date_gmt":"2026-07-02T12:59:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lgbti-label.ch\/?p=5692"},"modified":"2026-07-02T13:38:49","modified_gmt":"2026-07-02T13:38:49","slug":"wir-stellen-unseren-neuen-akademischen-partner-vor-die-uni-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lgbti-label.ch\/de\/wir-stellen-unseren-neuen-akademischen-partner-vor-die-uni-bern\/","title":{"rendered":"Wir stellen unseren neuen akademischen Partner vor: die Uni Bern"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5699\" srcset=\"https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen-400x400.jpg 400w, https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen-800x800.jpg 800w, https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen-1200x1200.jpg 1200w, https:\/\/www.lgbti-label.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/swiss-lgbti-label-thomas-koellen.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n<p>Im April hat das Institut f\u00fcr Organisation und Personal der Universit\u00e4t Bern die wissenschaftliche Betreuung des Swiss LGBTI-Labels \u00fcbernommen. Es wertet somit die eingereichten Neu- und Relabelling-Bewerbungen aus und erstellt einen Ergebnisbericht f\u00fcr jede Bewerbung, auf dessen Basis die Vergabekommission anschliessend \u00fcber die Auszeichnungen entscheidet. PD Dr. Thomas K\u00f6llen darf diese Arbeit leiten und wir haben ihm ein paar Fragen zu seiner Person&nbsp;und seiner Motivation gestellt.<\/p>\n<p><strong>Thomas, du bist schon seit einiger Zeit mit dem Swiss-LGBTI Label verbunden. Wann und wie bist du mit dem Label zum ersten Mal in Kontakt gekommen? Wie sah dein Engagement danach aus?<\/strong><\/p>\n<p>Der Kontakt zum Label ist damals \u00fcber Andrea Gurtner entstanden, einer Mitinitiatorin des Labels die bis vor kurzem noch Professorin an der Berner Fachhochschule war. Wir hatten uns 2018 kennengelernt, weil wir beide zu LGBT-Themen im Arbeitskontext geforscht und publiziert haben. Die Gr\u00fcndung des Labels habe ich 2018 dann nat\u00fcrlich auch mitbekommen und aufmerksam verfolgt. 2020 bin ich dann eingeladen worden, Mitglied der f\u00fcnfk\u00f6pfigen Vergabekommission zu werden. Als Vertreter der wissenschaftlichen Seite. Das war ich dann auch bis ich in diesem Jahr von Andrea und ihrem Team bei der BFH die wissenschaftlichen Agenden beim Label \u00fcbernommen habe.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Du hast dich in deiner akademischen Laufbahn auf Gender und Diversity spezialisiert. Was findest du auf diesem Gebiet spannend und welches Thema besch\u00e4ftigt dich zurzeit?<\/strong><\/p>\n<p>Als ich 2005 begonnen habe, mich im Rahmen meiner Doktorarbeit mit dem Thema Homosexualit\u00e4t im Arbeits- und Organisationskontext zu besch\u00e4ftigen war, neben dem pers\u00f6nlichen Interesse am Thema, sicherlich ein zentraler motivierender Punkt f\u00fcr mich, dass es generell noch nicht besonders viel Forschung in diesem Bereich gab. Zudem hatten in der Zeit bereits zahlreiche europ\u00e4ische Gro\u00dfunternehmen begonnen, sich dem Thema \u201esexuelle Orientierung\u201c im Rahmen ihrer Diversity-Managementprogramme zuzuwenden. Dadurch hat sich dann f\u00fcr mich ein spannendes Forschungsfeld er\u00f6ffnet. Eines der drei Unternehmen, die mich bei meiner Doktorarbeit damals unterst\u00fctzt hatten, ist heute auch ausgezeichnet mit dem Swiss LGBTI-Label. Nach diesem Einstieg in die Diversityforschung habe ich dann verst\u00e4rkt auch die Themenfelder Geschlechtsidentit\u00e4ten und Geschlechtervielfalt in meine Forschung und Lehre integriert. Ganz aktuell arbeite ich dar\u00fcber hinaus auch verst\u00e4rkt zu \u201enationalen Identit\u00e4ten\u201c und zu Nationalismus im Organisationskontext, unter anderem in Familienunternehmen. Da aber ja jeder Mensch immer eine Auspr\u00e4gung von jeder Vielfaltsfacette verk\u00f6rpert, also beispielsweise nie nur lesbisch, nur schweizerisch, nur katholisch oder nur trans* ist, sind all diese Diversitythemen sowieso miteinander verzahnt. Und damit k\u00f6nnen sich dann nat\u00fcrlich auch LGBTI-Personen nationalit\u00e4ts- und herkunftsbezogenen Dynamiken am Arbeitsplatz nicht entziehen. Aber das gleiche gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr alle anderen Facetten der Vielfalt und die Prozesse, die um diese herum wirken.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was motiviert dich nun, diese kritische Aufgabe f\u00fcr das Label zu \u00fcbernehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich freu mich sehr \u00fcber das Vertrauen, das mir geschenkt wird. Das Label ist \u2013 auch aufgrund seiner wissenschaftlichen Fundierung \u2013 eine in Europa einzigartige Auszeichnung. Daran mitarbeiten zu k\u00f6nnen, diese Sonderstellung zu behalten und das Label kontinuierlich weiterzuentwickeln ist definitiv Motivation genug. Ideal ist es nat\u00fcrlich, wenn das Label nicht nur den zunehmenden Grad an Inklusion von LGTBI-Personen in Schweizer Organisationen abbildet, sondern wenn es selbst auch zu dieser positiven Entwicklung beitragen kann. Ganz wesentlich f\u00fcr eine breite Wirkung und Akzeptanz des Labels ist es sicherlich, Vielfalt und deren Inklusion nicht einseitig \u00fcber Erz\u00e4hlungen vom \u00f6konomischen Nutzen zu legitimieren, sondern vor allem dar\u00fcber, dass es alle Menschen in gleicher Weise verdienen, respektvoll behandelt zu werden, und als genau die Menschen Akzeptanz und Anerkennung zu erfahren, die sie sind.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer darf dich dabei unterst\u00fctzen, wie ist dein Team aufgestellt?<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell ist meine Kollegin Andrea Waser eine riesige Unterst\u00fctzung f\u00fcr mich am \u201eInstitut f\u00fcr Organisation und Personal\u201c (IOP) der Universit\u00e4t Bern. Andrea hatte bei mir eine extrem gute Masterarbeit \u00fcber die Inklusion von Transpersonen in der Schweiz geschrieben, und ich bin sehr froh, dass sie jetzt im Team dabei ist und die Erstellung der Ergebnisberichte massgeblich \u00fcbernimmt. Auf technischer Seite ist Olha Yarmolenko eine sehr grosse Unterst\u00fctzung im Team.<\/p>\n<p><strong>Wissenschaftlich betrachtet: Warum sollte sich eine Organisation f\u00fcr das Label bewerben?<\/strong><\/p>\n<p>Durch den Prozess der Bewerbung gewinnen die Organisationen einen sehr guten \u00dcberblick dar\u00fcber, wo sie auf der Massnahmenebene aktuell stehen in Bezug auf LGBTI-Inklusion. Wenn Sie dann ausgezeichnet werden, ist das nat\u00fcrlich eine sehr gute Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass man hier bereits gut unterwegs ist. Das Label selber kann dann verwendet werden, um nach innen und aussen auch auf der symbolischen Ebene zu signalisieren, f\u00fcr welche Werte man einsteht. Das Label ist nat\u00fcrlich kein Selbstzweck. Bestenfalls ist es der Ausdruck und der Beleg daf\u00fcr, dass die Organisation der eigenen Belegschaft eine Arbeitsumfeld gew\u00e4hrleisten m\u00f6chte, in dem vielf\u00e4ltige sexuelle Orientierungen, Geschlechter und Geschlechtsidentit\u00e4ten eben einfach dazugeh\u00f6ren und keinen Ausgangspunkt f\u00fcr arbeits- kariere- und berufsbezogene Exklusionsdynamiken darstellen. Und das Label und der dazugeh\u00f6rige individuelle Bericht dokumentieren und best\u00e4tigen dann idealerweise alle drei Jahre die Fortschritte der eigenen Bem\u00fchungen, und sie zeigen die Handlungsfelder auf, bei denen noch Verbesserungspotenzial besteht.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche Themen oder Arbeitsbereiche gewinnen an Relevanz bei LGBTIQ+-DEI am Arbeitsplatz? Was sind die Erwartungen von Mitarbeitenden an Ihren Unternehmen im Jahre 2026? &#8211; L\u00e4sst sich das pauschal beantworten?&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Thematisch gewinnt sicherlich das Thema der Nicht-Binarit\u00e4t auf der Ebene des empfundenen und ausgedr\u00fcckten Geschlechts zunehmend an Bedeutung. Viele, vor allem j\u00fcngere Leute, sind einfach nicht mehr bereit oder gewillt, sich permanent einem von zwei fix vorgegebenen Geschlechtern zuzuordnen oder zuordnen zu lassen. Die individuellen Selbstkonzepte k\u00f6nnen dann irgendwo dazwischen liegen, ganz au\u00dferhalb dieser bin\u00e4ren Geschlechtslogik, oder die Kategorie des Geschlechts als Ganzes infrage stellen oder ablehnen. In der aktuellen Inklusionspraxis stellt das nat\u00fcrlich die \u201eklassischen\u201c geschlechtsbezogenen \u201eGleichstellungsinitiativen\u201c vor Herausforderung. Diese machen in vielen Organisationen immer noch den Grossteil ihrer Inklusionsbem\u00fchungen aus, nicht selten als Massnahmen zur expliziten Frauenf\u00f6rderung. Das wiederum erzeugt dann nat\u00fcrlich auch einen gewissen Druck zur bin\u00e4ren Selbst- und Fremdzuordnung innerhalb des Geschlechterspektrums, egal ob aus strategischen Gr\u00fcnden oder nicht. F\u00fcr LGBTI-Inklusion hat eine Aufl\u00f6sung oder Schw\u00e4chung der Kategorie \u201eGeschlecht\u201c nat\u00fcrlich auch eine grosse Bedeutung, da sich ja die Minderheits-\/Mehrheitsauspr\u00e4gungen \u201ehomo\/hetero\u201c, \u201etrans\/cis\u201c und \u201einter\/endo\u201c \u00fcber eine bin\u00e4re Geschlechtsvorstellung \u00fcberhaupt erst definieren. Positiv ist in jedem Fall die damit einhergehende Reduzierung des stigmatisierenden Potenzials davon L, G, B, T oder I zu sein. Wie die zuk\u00fcnftige Entwicklung aussehen wird, ist aber nat\u00fcrlich nicht vorherzusagen. Oder, um ein wenig in die Phrasenkiste zu greifen: Jede Bewegung erzeugt eine Gegenbewegung, und jede These birgt in sich schon immer auch ihre Antithese. Verbunden mit der zweiten Frage kann man wohl generell davon ausgehen, dass, auch bedingt durch eine in den letzten 30 Jahren in Westeuropa deutlich gestiegene gesellschaftliche Akzeptanz von LGBTI-Personen, die Menschen heute oft weniger bereit sind, sich im Beruf zu verstecken oder zu verstellen. Aber hier gibt es nat\u00fcrlich ein grosse Bandbreite an organisationalen Kontexten und individuellen Erfahrungen, die sicherlich auch abh\u00e4ngig sind von den Bereichen in denen man arbeitet.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April hat das Institut f\u00fcr Organisation und Personal der Universit\u00e4t Bern die wissenschaftliche Betreuung des Swiss LGBTI-Labels \u00fcbernommen. Es wertet somit die eingereichten Neu- und Relabelling-Bewerbungen aus und erstellt einen Ergebnisbericht f\u00fcr jede Bewerbung, auf dessen Basis die Vergabekommission anschliessend \u00fcber die Auszeichnungen entscheidet. 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